Ich bin mal wieder zu Hause bei meinen Eltern und gestern hatte ich tatsächlich eine sehr nette Abwechslung vom Lernen: wir hatten ein Kurstreffen unseres damaligen Lateinkurses. Wir waren natürlich essen, das warbei uns damals schon Tradition: nach jeder Klausur gab es ein Kurstreffen in einem Restaurant. Die meisten waren tatsächlich da, leider fehlte unser Lehrer, aber sehr lustig war es trotzdem. Ich hatte ja die meisten aus dem Kurs seit dem Abi nicht mehr gesehen und es scheint, als würde sich unsere Jahrgangsstufe tatsächlich daran machen, Klischees zu erfüllen: 99% der Jungs studieren was technisches 99% der Mädels werden Lehrerin. Ich bin mal wieder die totale Ausnahme. Naja, jedenfalls war es cool, nach 6 Jahren mal wieder zusammenzusitzen und in Erinnerungen zu schwelgen.
Und damit ihr euch vorstellen könnt, wie unser Lateinkurs war, kopiere ich mal den Artikel, den ich damals für die Abizeitung geschrieben habe, hier rein.
Der KuchenkursConcordia parvae res crescunt
Unser Lateinkurs begann im Jahre `96 mit ca. 27 kleinen Nachwuchscäsaren, die sich unter Leitung von Herrn Poschen daran machten, die Schlacht gegen unregelmäßige Verben, Deponentien, AcIs, PPP`s und andere Fremdwörter aufzunehmen, um am Ende der 12 die Eroberung des Olymps in Form des Latinums bekanntgeben zu können. Einige nahmen die Sache ernst, andere weniger. So blieben am Ende der 10. Klasse von der ursprünglichen Besetzung nur 15, die tatsächlich etwas verstanden hatten oder zumindest erfolgreich so taten, übrig. Das nächste Jahr begann für unser geschrumpftes Heer mit zwei wesentlichen Neuerungen.
1. Die Heerestärke wurde durch 3 tapfere Krieger aus dem Elitekorps des Stiftischen Gymnasiums ergänzt, die uns dank ihrer 6-jährigen Erfahrung mit der lateinischen Sprache und ihrer Grammatik immer wieder gerne über Wissenslücken hinweghalfen.
2. (und wesentlich wichtiger) Die Verpflegung wurde besser. Ein Kuchen am Morgen wurde ab sofort zur essentiellen Voraussetzung jeder Lateinstunde und fehlte er mal, halfen die umliegenden Bäckereien gerne mit Schokocroissants und Puddingbrezeln aus.
So ver- und gestärkt fiel uns der Kampf gegen die lateinische Sprache natürlich leicht: munter hexaminierten wir uns durch Ovids Metamorphosen (wirklich interessant, was die alten Götter so trieben), heulten uns durch die antike Version von Romeo und Julia und sangen inbrünstig lateinische Weihnachtslieder. Durch Cäsars Bellum Gallicum (für alle Nicht Lateiner: das war die Sache mit Asterix) wurden wir alle zu kleinen Experten im Städte belagern, Leute aushungern und Fallen stellen (für böse Gallier, versteht sich). Den Abschluß unserer Studien bildeten dann aber die Briefe Senecas, in denen er über den Sinn des Lebens philosophiert (Wir philosophierten dagegen eher über den Sinn der Briefe an sich.). Trocken wurde der Unterricht aber trotz allem nie, denn Herr Poschen vermochte zu jedem Text Parallelen zum politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehen zu ziehen und uns mit seinen Ansichten über Dürener Politik oder Sinn und Unsinn von Gymnasien zu unterhalten.
Doch leider kann man auch in der Oberstufe keine Klausuren über des Bürgermeisters neue Kaiserplatzbegrünungsmaßnahmen schreiben, sondern muß sich an hochwertige lateinische Texte halten. Dies wurde aber nie zum Problem, da wir die Sache nach dem Prinzip "gemeinsam sind wir stark" angingen und uns gegenseitig nicht nur mit Tintenkillern, sondern auch mit Vokabeln und Grammatiktips aushalfen. (An dieser Stelle ein Dankeschön an Herrn Poschen, der sich oft blind und taub stellte.)
Trotzdem, Klausuren sind anstrengend und kräftezehrend. Um diese Kräfte zu regenerieren wurde sich am Abend nach der Klausur in einem von Dürens Gastronomiebetrieben gestärkt. Die Römer waren ein internationales Völkchen, also futterten auch wir uns bei ungezählten Kurstreffen um den halben Erdball. Leider gehörten unsere Stiftler den Spartanern an und entsagten deshalb meist den kulinarischen Genüssen.
Alles in allem war es ein toller Kurs, in dem wir viel gelernt (Alle bekamen am Ende Ihr Latinum!), aber auch viel gelacht haben und so manchem von uns tat es wohl doch ein bißchen leid, dass sich der Kurs nach der 12 auflöste. Man sieht also:Latein kann auch jede Menge Spaß machen!
Quod erat demonstrandum!