WochenendeDieses Wochenende bin ich (schon wieder) nach Hause gefahren, da meine Oma ihren 80. Geburtstag gefeiert hat und ich als einzige von meinen Geschwistern kommen konnte und zumindest einer von uns da auftauhen sollte. Also habe ich Freitag 3 Stunden in öffentlichen Verkehrsmitteln und Samstag und Sonntag je ca. 3 Stunden im Auto verbracht, um mit gesammelter Verwandtschaft 5 Stunden lang zu essen. Gefühlt war ich die Einzige zwischen 20 und 50 (es liefen noch ne Reihe Kids rum aus der Nachbarschaft, aber keine über 13)und die Hälfte der Leute hatte ich noch nie gesehen - obwohl die mich alle zu kennen schienen. Konnte mich vor lauter "Ach ja, Sarah, du bist aber groß geworden!" gar nicht retten, während mir eher durch den Kopf schoß: "Wer zum Henker seit ihr??? Und wie zum Teufel bin ich mit euch verwandt???" Aber zumindest hat mich ausnahmsweise mal niemand gefragt, warum ich a. noch nicht verheiratet bin, b. ich noch keine Kinder habe und c. wozu ich überhaupt studiere, da man als zu intelligente Frau ja die Männer abschreckt, was eine deutliche Verbesserung gegenüber dem letzten Familientreffen darstellt. Am Sonntag nach dem Frühstück ging es dann auch schon zurück nach Hause, was für mich hieß Maastricht, da es ja am Montag schon weiter gehen sollte nach Brüssel zum "study trip".
Brüssel - Tag 1
Morgens um 8 gings los und es liess sich staumäßig ganz gut an, bis wir in die Nähe von Brüssel kamen, da praktischerweise die belgische Bahn beschlossen hatte, zu streiken und so alle, die normalerweise mit dem Zug nach Brüssel fahren, sich in ihr Auto gesetzt hatten. Klasse. Wir kamen aber trotzdem noch rechtzeitig zu unserem Termin bei einem Menschen vom belgischen Außenministerium, der vorher im COPS (tolles Akronym, oder? Steht für: Comité de politique et de sécurité - Kommittee für Politik und Sicherheit, für alle des Französischen nicht mächtigen, Teil der EU Außen- und Sicherheitspolitik) gearbeitet hat und uns noch einmal über diese eben nicht besonders existente EU Außen- und Sicherheitspolitik und die EU Beziehung zur NATO aufklären sollte. War eigentlich sehr interessant, allerdings etwas langatmig, so dass ein Großteil unserer Mittagspause draufging. Nachdem wir gerade gut 2 Stunden in einem fensterlosen Konferenzraum verbracht hatten und draußen das schönste Wetter war, waren wir darüber nicht eben begeistert, aber es half ja nichts, wir hatten einen Termin bei der NATO und da das Sicherheitsparanoiker sind, mussten wir da pünktlich antreten, um alle Auweise vorzuzeigen, durch Metalldetektoren zu laufen und uns "Visitor" Schildchen anzupinnen, damit auch ja keiner abhanden kommt und Gott verhüte irgendwo hinwandert, wo er nicht hingehört. Wohin wir dann am Ende wanderten war ein weiterer fensterloser Raum, in dem uns NATO Menschen erklärten, dass sie noch immer unersetzbar sind und die EU sich mal nicht so anstellen soll. Allgemein hatte ich in dem Laden das gefühl, dass nicht nur die Architektur in den Zeiten des Kalten Kriges stecken geblieben ist, aber immerhin gabs NATO Kugelschreiber, NATO Mints und ein NATO Propagandavideo gratis (unsere Steuergelder bei der Arbeit) und wer wollte, hätte auch einen Bademantel mit NATO Emblem käuflich erwerben können - wollte ich immer schon haben ;-). Für die geschätzen 3 Kilometer von NATO zum Grand Place, wo unser Hotel sich befand, haben wir dann dank des berühmten Brüsseler Verkehrs eine Stunde gebraucht, so dass wir erst gegen 6 Uhr abends einchecken konnten. Das Hotel war nichts besonders, aber OK und vor allem für uns umsonst, wer will sich also beschweren - und außerdem war für diesen Tag das Programm endlich beendet, so dass wir uns auf dem Weg zu Britas Eltern machen konnten, die im Besitz eines Pools im Garten sind - herrlich nach diesem Tag, auch wenn es dann um 7 Uhr doch etwas frisch war. Aber was uns nicht tötet, härtet uns ab.
Danach haben wir dann noch in einem kleinen Restaurant lecker Abend gegessen und sind dann noch in ein irisches Pub gegangen, wo dann für mich der ungemütliche Teil des Abends anfing, da ich nunmal den Reiz des sich möglichst schnell Betrinkens und bis 4 Uhr morgens wachbleiben nicht erkenne und mich auch nicht unbedingt auf dem Niveau von Besoffenen unterhalten möchte. Also habe ich mich so gegen Mitternacht ins Hotel verzogen, wo Schaf alerdings auch eine Illusion war, da dauernd irgendwo Türen gingen und Leute auf dem Flur herumschrien. Erstaunlicherweise war ich am Morgen aber doch einigermaßen ausgeschlafen.
Brüssel - Tag 2
Heute standen morgens zwei Lobbyisten auf unserem Plan, die wir aber nicht in ihren Firmen, sondern in den Räumen einer Wirtschaftsschule getroffen haben (Lektion 1: für Studenten geben Lobbyisten kein Geld aus oder stellen ihre teuren Konferenzräume zur Verfügung, das brauchen sie für die Politiker). Das war für mich eigentlich der interessanteste Teil des ganzen Trips, weil es mich echt erstaunt hat, wie sehr sich die Wahrnehmung dieser Leute verschiebt. Beide waren komplett überzeugt, dass sie mit ihrer Arbeit der Demokratie einen großen Dienst erweisen, weil sie die armen überlasteten Politiker mit neutralen und objektiven Informationen versorgen und so für eine effektive Arbeit der EU sorgen. Sicher doch.
Das Nachmittagsprogramm (EU Parlamentarier plus Assistent) hab ich mir dann geschenkt (mit Einverständnis natürlich) um meiner Gastfamilie mal wieder einen Besuch abzustatten. Ich muss sagen, das war fast der beste Teil am ganzen Trip. Ich habe meine Mädels von der Schule abgeholt ohne dass sie es vorher wussten, und was gibt es schöneres, als 2 strahlende Kids, die über den ganzen Schulhof brüllen "Saaaarah" und auf dich zugerannt kommen und dich gar nicht mehr loslassen wollen??? Ich liebe meine Mädels. Dann sind wir zur Feier des Tages noch ein Eis essen gegangen (Privileg der besuchenden Nanny: sie darf die Kinder ungestraft verwöhnen) und wieder 2 vollkommen glückliche Kids, die verzückt an ihrem Vanilleeis mit bunten Streuseln leckten. Ich konnte mich gar nicht satt sehen an den Beiden. Meine arme Delphine hat aber leider einen bösen Husten, irgendeine Allergie, aber kein Arzt weiß, was es ist, echt furchtbar, das Kind ist nur am Luft schnappen.
Der Abend mit Mireille war dann auch toll (JP war leider auf Geschäftsreise), wir haben noch ewig gequatscht und natürlich lecker gegessen. Das wird richtig seltsam, wenn sie nach Zürich ziehen und ich nicht mehr so einfach mal für ein paar Tage vorbeikommen kann (außer es verschlägt mich vielleicht auch in die Gegend).
Brüssel - Tag 3
Natürlich war frühes Aufstehen angesagt, die Mädchen mussten zur Schule und Mireille zur Arbeit, aber erstanlicherweise machte mir das nichts aus. Der Morgen war wie immer chaotisch, aber wir haben es rechtzeitig zur Schule geschafft und es ist mir wieder mal sehr schwer gefallen, die beiden gehen zu lassen. Dann bin ich mit Mireille in die Stadt gefahren (Rushhour in Brüssel, grausam, wenn ich das jeden Tag hätte, würde ich wahnsinnig werden), hatte dann noch eine halbe Stunde, bis ich mich mit Brita getroffen habe, um den Zug zurück nach Maastricht zu nehmen. Hier hat mich jetzt der Alltag wieder und ich muss sagen, das fällt mir richtig schwer. Aber ich werde mich schon einfinden.